Wenn
ich über Selbst-Verteidigung schreibe, dann meine ich immer eine
Situation, wo es keine andere Möglichkeit mehr gibt eine ernsthafte
Bedrohung abzuwenden.
Bei
Allem was wir uns zu diesem Thema überlegen sollte uns bewusst sein,
dass wir uns in einer ganz anderen Situation befinden, als wir es vom
Training im Dojo oder Gym gewohnt sind.
Wir
haben keine sportlichen Regeln, wir haben keinen Schiedsrichter der
den Kampf unterbricht wenn es gefährlich wird und vor uns steht ein
Gegner der seine Technik nicht abstoppt sondern uns ernsthaft
verletzen will.
Wer
schon einmal auf einer feuchten Wiese gekämpft hat oder auf einem
von Glasscherben übersäten Untergrund in einem Lokal, oder auf
engem Raum wo man nicht mehr ausweichen kann oder kein Platz für
hohe Beintechniken ist wird verstehen was ich meine.
Wenn
man solche Überlegungen anstellt merkt man schon, wie sich Taktiken
und Techniken einschränken. Da funktionieren keine raumgreifenden
Techniken mehr oder keine Drehbewegungen auf den Zehenballen.
Der
Meister, der sich mit ernsthaftem Kampf auseinandersetzt sollte
ständig überprüfen ob sein Portfolio an Taktik und Technik
realistisch ist und vor allem ob sein Training realistisch ist.
Optimalerweise
soll der Kampf entschieden sein bevor die Kämpfer in eine
Kampfposition gehen. Besondere Kampfstellungen wie z. B. zenkutos
dachi, kiba dachi, nekoashi dachi... sind für den Kampf außerhalb
des Dojos unbrauchbar. Alles sollte aus üblicher Straßen-Bewegung
heraus funktionieren.
Wettkampfübliche
Deckung sollte ebenfalls durch alltägliche Bewegungen ersetzt
werden. Wie z. B. das Streichen über den Bart, das Kratzen hinter
dem Ohr, das Zurechtrücken der Krawatte, das beschwichtigende Heben
der offenen Hände usw.usf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Es
gibt genug Videos wo gute MMA-Kämpfe oder Thai-Boxkämpfe zu sehen
sind. Auch Karate Full Kontakt hilft bei der Beurteilung welche
Techniken brauchbar sind.
Als
Entscheidungshilfe dienen mir folgende Grundsätze die aus
jahrzehntelanger Erfahrung entstanden sind:
Verlasse
Dich nicht nur auf nur Schlagen. Dies erfordert eine hohe
Reaktionsfähigkeit, die ihrerseits ständiges Training in Form von
(gesundheitsgefährdendem) Sparring erfordert. Trapping Hands,
klebende Hände und das Wegstoßen stören das Timing des
Gegners und bringen oft gute Positionen um punktgenau zu
treffen.
Versuche
Dir ein persönliche System zu schaffen, welches keine gesonderte
Kampfart darstellt. Davon gibt es schon zu viele. Dein persönliches
System soll nur eine möglichst vollständige und unkonventionelle
Antwort mit möglichst einfachen Mitteln auf Angriffe aller Art
darstellen. Beachte bei Deinen Studien, dass z.B Dinge die im reinen
Boxen gut funktionieren nicht oder nur mehr eingeschränkt möglich
sind, sobald gefährliche Fußstöße ins Spiel kommen.
Außerdem
sollte man ja die Hände schonen und Kraftschläge, insbesonders
solche mit Schubcharakter oder fraglichen Auftreffwinkeln vermeiden.
Mit Boxhandschuhen sind wegen der großen Auftreffflächen und den
Gelenksbandagen Auftreffwinkel möglich, die im bar-knuckle-fight zu
sicherer Verletzung führen würden.
Du
muss keineswegs alle Kampfarten beherrschen, sonder sie nur gut
kennen und wissen wie man unkonventionell darauf antwortet.